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Der Blog des Centre Franco-Allemand de Provence bietet eine Plattform für den Gedankenaustausch zu deutsch-französischen Themen. Veröffentlicht werden hier Texte von Gästen und Mitarbeitern des Centre, vor allem aber auch Ihre Texte. Haben Sie eine schöne deutsch-französische Erfahrung gemacht? Haben Sie gerade ein tolles Buch gelesen, eine außergewöhnliche Ausstellung gesehen oder Musik neu entdeckt? Haben Sie Lust, darüber einen kleinen Essay zu verfassen? Dann kontaktieren Sie uns: Wir sind gespannt auf Ihre Gedanken.

Der Besuch der Alten Dame, Dürrenmatt

      Heute sprechen wir über Friedrich Dürrenmatt und insbesondere über eines seiner berühmten Bücher : Der Besuch der Alten Dame.

Wer ist Friedrich Dürrenmatt?

      Friedrich Dürrenmatt würde am 5. Januar 1921 geboren. Er hat seine ersten Kindheitsjahre in Konolfingen verbracht. Danach ist seine Familie in die Schweiz, nach Bern gezogen.

Dürrenmatt hat im Jahr 1941 sein Studium begonnen. Er studierte 2 Semester lang Naturwissenschaft in Zürich. Er interessierte sich aber auch sehr für die Philosophie. Im Jahre 1946 heiratete er die Schauspielerin Lotti Geißler. Mit ihr bekam er drei Kinder: Peter (geboren im Jahr 1947), Barbara (geboren im Jahr 1949) und Ruth (geboren im Jahr 1951). Lotti Geißler starb leider 40 Jahren später, weshalb Dürrematt wenig später ein zweites Mal heiratete. Seine
zweite Frau hieß Charlotte Kerr.

Am 14. Dezember 1990 starb der Schriftsteller in Neuenburg. Er wurde 69 Jahre alt. Seitdem gibt es ein Dürrenmatt Zentrum, ehemals Dürrenmatts Haus, wo sich Besucher über den verstorbenen Schriftsteller informieren können.

Was hat er geschrieben?

Sein erstes Buch hat Dürrenmatt mit 24 Jahren geschrieben. Es war ein Theaterstück, dessen Name Es steht geschrieben war. Die berühmtesten Bücher des Schriftstellers sind:

- Es steht geschrieben, 1947 (es ist ein Theaterstück)
- Die Ehe des Herrn Mississippi, 1952 (es ist ein Theaterstück)
- Die Panne, 1957 (es ist einen Roman)
- Die Physiker, 1962 (es ist ein Theaterstück)

Und natürlich Der Besuch der alten Dame.

Eine kurze Zusammenfassung

Die Geschichte findet in der kleinen Stadt Güllen statt. Diese Stadt ist sehr arm und die Bürger sind hoffnungslos. Aber sie erfahren gleich, dass die berühmte Milliardärin Claire Zachanassian ihres Heimatdorf Güllen besuchen wird. Jetzt sind die Bürger gespannt. Ihr Ziel ist, dass Claire ihnen Geld gibt. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen sie Alfred Ill, der beliebteste Bürger des Dorfes, benutzen. Dieser Mann war früher tatsächlich der Geliebte der Milliardärin. Er muss mit ihr sprechen und ihre alte Beziehung benutzen, um sie überzuzeugen, dem Dorf Geld zu geben.

Alfred Ill war aber nicht der perfekt Geliebte. Jahren früher hat er Claire verlassen, als sie ihm gesagt hat, dass sie ein Kind von ihm erwarte. Seitdem will die Milliardärin ihre Rache. Sie macht der Stadt einen Vorschlag. Sie gibt den Bürgern eine Milliarde, wenn sie Alfred III töten. Am Anfang sind die Bürger nicht einverstanden: Ein Mann ermorden nur um Geld zu bekommen ist undenklich. Man sollte aber nie der Macht des Geldes unterschätzen…

Analyse

Dürrenmatt beobachtet die Menschlichkeit, um ihre Nachteile zu zeigen. In diesem Buch sieht man die Macht des Geldes. Die Bürger von Güllen waren am Anfang nicht böse. Sie waren arm, aber sie hatten trotzdem ihre Ehre. Niemals hätten sie ein Mann getötet, um Geld zu bekommen! Aber danach kam diese Zachanassian. Sie ist fies, alt und denkt, dass es kein Gutes in der Menschlichkeit gibt. Sie ist aber reich. Und sie kann den Bürger das benötigte Geld geben. Diese Bürger sehen aber nicht, dass ihr Vorschlag wie Gift ist. Sie macht sie böser und weniger menschlich.
Am Ende werden sie sogar Alfred Ill töten.

Schließlich ist Alfred Ill der einzige, der sich entwickelt. Er entschuldigt sich für das, was er früher getan hat und akzeptiert seine Bestrafung. Er ist der wahre Held der Geschichte.

von Maïlys Bachellerie

 

Rückblickend auf die Konferenz ,,Emmanuel Macron und die Neubelebung Europas – deutsche und französische Vorschläge"

Herr Ménudier eröffnete die Konferenz, indem er auf ein wesentliches Paradox einging:

Zu Beginn wurde die aktuelle europäische Zusammenarbeit in Frage gestellt, wobei Emmanuel Macron einen wichtigen Akzent seiner internationalen Politik auf die Neubelebung der Beziehungen Frankreichs mit Deutschland und Europa zu setzen plant. Da Deutschland jedoch momentan in einer innerpolitischen Krise, ausgelöst durch seine Probleme mit der aktuellen Regierungsbildung nach der Bundestagswahl im September 2017 steckt, hat Macron von eben diesem wichtigen Partner Frankreichs noch keine Antwort auf seine neuen Pläne erhalten. Es sollte an diesem Punkt daran erinnert werden, dass die Idee der deutsch-französischen Freundschaft mit Hinsicht auf die gemeinsame Vergangenheit der beiden Nationen eine recht neue ihrer Art ist. So verbrachten Deutschland und Frankreich seit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs im Jahre 1870 eine Episode von Kriegen und politischen Konflikten, die 75 Jahre andauerte und seit 1945 von einem Frieden abgelöst wurde, der inzwischen 73 Jahre alt ist. Diese politische Ausgeglichenheit erscheint in politischer Hinsicht jedoch nach wie vor unbeständig. So scheint das Ausbrechen eines Krieges in Europa gar nicht so fern, wenn man die heiklen politischen Situationen in anderen europäischen Ländern betrachtet. Nicht umsonst stehen Probleme wie die Einwanderungswelle oder der Streit um den rechtmäßigen Anspruch auf die Insel Krim zwischen Russland und der Ukraine im Mittelpunkt der europäischen Sorgen. Doch wieso entschieden sich Deutschland und Frankreich nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, das Kriegsbeil zu begraben und stattdessen eine Freundschaft, die heutzutage so bekannte „Deutsch-Französische Freundschaft“, einzugehen? Grund dafür war zum einen das tiefe Engagement einiger Bürger auf beiden Seiten, die für eine Zusammenarbeit der Nachbarländer einstanden, zum anderen der Kalte Krieg zu dessen Zeit die Kommunisten immer mehr Macht gewannen. Ihr Einfluss als stärkste Partei in Frankreich und Italien bedrohte den amerikanischen Präsidenten Truman, der sich für einen gemeinsamen Kampf gegen die Kommunisten einsetzte, für den sich folglich auch Deutschland und Frankreich zusammentaten. Im Jahre 1949 ist die Bundesrepublik Deutschland aus den Besatzungszonen von drei der vier Siegermächte, den USA, Großbritannien und Frankreich, entstanden. Mit ihrer verstärkten Orientierung Richtung Westeuropa versuchte die Bundesrepublik den Einfluss der Kommunisten, die in Osteuropa an der Macht waren, einzuschränken. Der wahre Wendepunkt der deutsch-französischen Beziehungen fand jedoch am 9. Mai 1950 statt, als der französische Außenminister den Vorschlag machte, eine europäische Organisation, die mit der Aufgabe betraut sein sollte die deutsche und französische Stahl- und Eichenindustrie zusammenzulegen ins Leben zu rufen. Dies führte zum Vertrag von Paris, der die Grundlage für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl zwischen sechs europäischen Nationen bildete und am 18. April 1951 unterschrieben wurde. Diese Erklärung wird jedes Jahr am 9. Mai gefeiert.

Die damaligen Staatsoberhäupter von Deutschland und Frankreich, Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, trafen sich zum ersten Mal im September 1958 und einigten sich darauf derartige Treffen zusammen mit ihren Ministern in Zukunft regelmäßiger abzuhalten. Auf diese Weise wollten sie einen laufenden Austausch zwischen den repräsentativen Politkern beider Länder erschaffen, um sich gegenseitig über ihre Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Ökonomie und Militär auszutauschen und zu informieren.

Im Zuge der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags im Jahr 1963 entstand zudem das Deutsch-Französische Jugendwerk, welches sich wie keine andere Organisation in Europa stets sehr engagiert für die Jugendlichen beider Länder einsetzt und somit eine der Schlüsselfiguren in der Repräsentation einer europäischen Gemeinschaft darstellt. Darüber hinaus haben sich nicht nur 3000 französische Firmen in Deutschland, sondern auch 4000 deutsche Firmen in Frankreich niedergelassen und Fuß gefasst. So möchte das Deutsch-Französische Jugendwerk darauf aufmerksam machen, welche Perspektiven das Erlernen der Partnersprache in der Berufswelt schaffen kann, und unterstützen dies mit ihrem Angebot an Partnerschaften und sprachlichen Austäuschen zwischen den beiden Ländern. Ziel ist es, jedem Studenten und Schüler in Europa die Möglichkeit zu eröffnen, einen Teil seines Studiums oder seiner Schulausbildung im Ausland zu verbringen. In diesem Sinne wurden zahlreiche Institutionen ins Leben gerufen, wie zum Beispiel das Institut Français in Deutschland und das Goethe-Institut in Frankreich, oder das Deutsch-Französische Abitur, auch Abibac genannt, das in beiden Ländern an speziellen Schulen erworben werden kann. Das Konstrukt der Europäischen Gemeinschaft hat sich in der Zwischenzeit zu einem wahren Erfolg entwickelt. Aus den 6 Mitgliedsstaaten hat sich inzwischen die Europäische Union, kurz genannt « EU », mit 28 Mitgliedsstaaten, die einen gemeinsamen Markt und gleiche Wertvorstellungen teilen, entwickelt. Nebenbei finden jedoch auch noch Verhandlungen mit weiteren Staaten, die der EU beitreten möchten statt. Daher war der Brexit zwar eine Enttäuschung, jedoch nicht maßgeblich für den Erfolg der EU. Es entstehen gleichwohl mehr und mehr Bedrohungen für die die EU: Die Wirtschaftskrise von 2007 bis 2008 zog einige wirtschaftliche Folgen mit sich, die bis heute noch nicht komplett behoben werden konnten.

 - Der Entschluss Großbritanniens aus der Europäischen Union auszutreten.

- Die amerikanische Außenpolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump stellt sich als risikohaft heraus.

- In den letzten Jahren wurde ein zunehmender Anstieg an rechtsextremen Parteien in ganz Europa verzeichnet.

- Das Weimarer Dreieck aus Frankreich, Deutschland und Polen verliert an Ausgeglichenheit und Elan.

- Die Terrorgefahr ist sowohl im Inland als auch im Ausland zu spüren.

- Ein Krieg treibt in der Ukraine sein Unwesen, während sich Russland nicht an die beschlossenen Abmachungen mit Europa zuhalten pflegt.

Hinzu kommt eine Vielzahl an sozialen, ökonomischen, politischen und religiösen Konflikten im Mittelmeerraum.

In diesem Sinne hat sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Ziel gemacht, die deutsch-französische und europäische Zusammenarbeit, die in seinen Augen noch zu kleingeistig arbeitet, mit seinen Ideen voranzutreiben. So wünscht er sich eine strukturiertere Koordination in allen Bereichen, eine großzügigere Offenheit gegenüber dem Rest der Welt, eine Verstärkung des Vertrauens zwischen Deutschland und Frankreich, wie auch eine Ablehnung des Nationalsozialismus. Dafür wünscht sich Macron ein vereintes und demokratischeres Europa, das zudem mehr in die Verteidigung und militärische Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus und Grenzkontrollen investiert.

Des Weiteren möchte er die deutsch-französische Zusammenarbeit mit Hinsicht auf die Wirtschaft, einer besser organisierten Eurozone, sowie Bildung und Kultur verstärken und enger aneinanderbinden, und dabei auch die Anstrengungen sämtlicher EU-Mitgliedsstaaten diesbezüglich erhöhen und fordern. Insofern unterscheidet sich der Präsident Macron maßgeblich von seinen zwei Vorgängern Sarkozy und Hollande da für ihn Lage und Zukunft der Europäischen Union an vorderster Stelle stehen.  Somit ist die deutsch-französische Zusammenarbeit ein bedeutsamer Faktor, und an die beiden Länder gelten als Hoffnungsträger für die EU.

 

 

60. Jahrestag der Partnerschaft Aix-Marseille Université - Eberhard Karls Universität de Tübingen

Der Deutsch-Französische Tag 2018

22. Januar 2018 Der Regenbogenfisch - école maternelle Alphonse Daudet - Aix-en-Provence

Der Deutsch-Französische Tag 2018

Deutschland und Frankeich – zwei Länder, die nicht einfach nur eine gemeinsame Ländergrenze verbindet, sondern auch ein, seit über einem halben Jahrhundert bestehender, Freundschaftsvertrag, auch bekannt als Elysée-Vertrag. Eben dieser wurde am 22. Januar 1963 im Pariser Elysée-Palast von dem französischen Präsidenten Charles De Gaulles und dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnet und bildet seitdem eine feste Grundlage für die enge deutsch-französische Zusammenarbeit in Feldern wie Politik, Kultur, Bildung und ähnlichem.

Im Rahmen des 40. Jahrestags der deutsch-französischen Freundschaft entschlossen sich Jaques Chirac und Gerhard Schröder 2003 einen Deutsch-Französischen Tag ins Leben zu rufen, der nun seitdem jedes Jahr auf beiden Seiten der Landesgrenze in Form einer deutsch-französischen Woche mit vielen kulturellen, aber auch politischen und künstlerischen Veranstaltungen gefeiert wird. Ziel dieses Tages ist es an die deutsch-französische Freundschaft und ihren Ursprung zu erinnern und dabei besonders die Jugend anzusprechen und für das Nachbarland zu öffnen um die fortbestehende Grundlage eines aktiven Austausches weiterhin anzuregen und zu schaffen.

In der gemeinsamen Erklärung, aufgesetzt und unterzeichnet von beiden Regierungen, wird dies im Artikel 16 weiter ausgeführt:

 „Wir erklären den 22. Januar zum ‚Deutsch-Französischen Tag‘. Wir wünschen, dass dieser Tag künftig in allen Einrichtungen unserer Bildungssysteme der Darstellung unserer bilateralen Beziehungen, der Werbung für die Partnersprache und der Informationen über die Austausch- und Begegnungsprogramme, sowie über die Möglichkeiten des Studiums und der Beschäftigung im Partnerland gewidmet wird.“

So steht der 22. Januar seit 2003 unter einem bestimmten Motto, wie zum Beispiel „Förderung der Partnersprache“ im Jahr 2004 oder „Franzosen und Deutsche: einmal Freunde, immer Freunde“ im Jahr 2016. Das Deutsch-Französische Jugendwerk, dem 2007 die Durchführung der Feierlichkeiten in Zusammenarbeit mit dem französischen Bildungsministerium übertragen wurde, ruft in diesem Sinne jedes Jahr dazu auf kreative Projekte, die den Austausch zwischen beiden Ländern fördern, einzureichen. Dabei ist den Veranstaltern jeglicher Freiraum bei der Realisation ihres Projektes gegeben, ob es sich nun um ein Konzert, eine Zirkus- oder Theateraufführung, eine Kunstausstellung, eine Konferenz, einen Kochkurs, ein Speed-Dating oder ähnliches handelt, solange die Sprache und Kultur des Nachbarlandes im Vordergrund steht. In diesem Sinne wurden im Rahmen des Deutsch-Französischen Tages 2017 circa 150 Veranstaltungen vom DFJW unterstützt.

In diesem Sinne bietet auch das Centre Franco-Allemand de Provence Veranstaltungen, die unter dem Motto des Deutsch-Französischen Tages stehen an. Dazu gehört zum Beispiel die Konferenz mit Henri Ménudier, Professor an der Sciences Po Paris, unter dem Titel „Emmanuel Macron und die Neubelebung Europas – Französische und deutsche Vorschläge“, die am Donnerstag, dem 18. Januar um 18:30 Uhr im Rathaus von Aix-en-Provence stattfindet.

Des Weiteren geht das Centre Franco-Allemand de Provence zusammen mit der Mobiklasse-Lektorin wieder in die Vorschulen von Aix-en-Provence, wie es bereits im letzten Jahr realisierst wurde. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf Vorschulen in sozial gemischten Vierteln um Kindern, die eher weniger Zugang zu anderen Kulturen bekommen, einen Einblick in die deutsche Kultur und deren Verbindung mit der französischen zu ermöglichen. So erhalten die Schüler nach einem kleinen deutschen Frühstück eine Intervention mit Spielen und Bastelaufgaben, die sich entweder auf das Thema „Der Regenbogenfisch“ oder auf das Thema „Die Bremer Stadtmusikanten“ beziehen werden. Unterstützt wird dies vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, welches kleine Geschenke und Broschüren für die Kinder zur Verfügung stellt.

 

Klara Rüsing

 

Krieg und Frieden im Kontext des Ersten Weltkriegs. Vom Schützengraben hin zu einem vereinten Europa

Die 2014 begonnene Auseinandersetzung zum Thema 1. Weltkrieg in Form eines Geschichtswettbewerbs, wie in den Jahren 2014/15 („Europa auf dem Schlachtfeld – was bleibt uns vom ersten Weltkrieg?“) und 2015/16 („Verdun – Eine Erinnerung?“), wird nun auch im Schuljahr 2017/18 unter dem Thema „Vom Schützengraben hin zu einem vereinten Europa“ fortgesetzt.

Organisiert wird das Projekt vom EUSTORY-Netzwerk in Kooperation mit der Fédération des Maisons Franco-Allemandes, der Mission du centenaire de la Première Guerre mondiale, dem Konsortium deutsch-französischer Institutionen, den französischen Geschichtsverband, dem Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem Goethe Institut.

Bei dem Wettbewerb handelt es sich um einen Geschichtswettbewerb an den Schüler und Schülerinnen jeglicher Schulformen von der 8. bis zur 12. bzw. 13. Klasse in Frankreich und Deutschland teilnehmen können und dessen Preisträger an den History Camps der Körber-Stiftung teilnehmen können.

Die Aufgabe der Schüler besteht darin sich mit Friedensvorstellungen vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg zu befassen, indem sie sich mit Quellen befassen und aktuelle Fragen zum Frieden in Europa mit einbeziehen. Dabei haben sie die Möglichkeit mit französischen Partnern, wie zum Beispiel einer französischen Partnerklasse, zusammen zu arbeiten, was allerdings nicht erforderlich für das Einreichen eines Beitrags ist. Des Weiteren steht es den Schülern frei ob sie ihre Beiträge in Einzel- oder Gruppenarbeit bzw. als Klassenprojekt erarbeiten wollen, ebenso wie das dabei verwendete Medium (Radio, Blog, Film, Collage usw..). Dies darf ebenfalls in Zusammenarbeit mit Geschichts-, Musik-, Kunst- oder Sprachlehrern erfolgen. Die Beiträge müssen bis zum 25. März eingereicht werden und werden im Folgenden von einer deutsch-französischen Jury bewertet, wobei die besten mit Preisen wie die bereits oben erwähnten History Camps prämiert werden.

Im Sinne des Wettbewerbs ist nicht nur das Erfassen der besten Beiträge, sondern auch das Verfolgen verschiedener pädagogischer Ziele. So soll er die Schüler dazu anregen sich mit der lokalen und der Familiengeschichte auseinanderzusetzen und ein Verständnis für geschichtliche Zusammenhänge zu entwickeln, aber sie auch zum Recherchieren und Entdecken einladen, indem sie mit unterschiedlichen Quellen wie Archiven, Befragungen ihres familiären Umfelds, und historischen Gebäuden, Denkmälern, Museen und ähnlichem in ihrem Umfeld arbeiten. Außerdem sind neben den Schülern auch die Lehrer zum informellen Austauschen eingeladen, wenn sie Projekte in Partnerarbeit mit französische bzw. deutschen Klassen durchführen.

Das EUSTORY-Netzwerk, das, wie bereits oben erwähnt, für die Durchführung des Geschichtswettbewerbs zuständig ist, ist ein informelles Netzwerk von zivilgesellschaftlichen Organisationen aus über 20 Ländern Europas, die nationale Geschichtswettbewerbe ausrichten. Es wurde 2001 von der Körber-Stiftung ins Leben gerufen und dient dazu die Notwendigkeit der kritischen und unabhängigen Beschäftigung mit der Vergangenheit im Hinblick auf eine gemeinsame europäische Zukunft zu unterstreichen.

Klara Rüsing

Schwerigkeiten der Regierungsbildung in Deutschland

Aus der deutschen Bundestagswahl im September 2017 ging die Union, gebildet aus CDU und CSU, als stärkste Partei heraus und entschloss sich zusammen mit den Parteien FDP und die Grünen eine Koalition einzugehen, um eine Mehrheit im Bundestag zu erzielen. Die Sondierungsgespräche, bei denen sich die 4 Parteien in ihren Regierungsplänen einigen sollten, haben am 18. Oktober begonnen und endeten am späten Abend des Sonntags, dem 19. November nach 4 Wochen. Beendend wurden diese von Seiten der FDP. In seiner Pressemeldung erklärt Christian Linder, FDP-Chef, den Abbruch der Gespräche, dass es seiner Partei nicht möglich sei, den „Geist des Sondierungspapiers“ zu verantworten und sie nicht bereit wären die Grundsätze der Partei und ihre Arbeit der letzten Jahre aufzugeben. Des Öfteren betonte er dabei: „Es ist besser nicht zu regieren, als schlecht zu regieren.“.

Bei den Sondierungsgesprächen wurden in den letzten Wochen mehrere große Themen besprochen, zu welchen der Solidaritätszuschlag, Abschiebung von Asyl-Bewerbern, der Verbrennungsmotor, aber auch Kohlekraftwerke gehörten. Während der Verhandlungen zum Thema Familiennachzug entschied sich dann die FDP diese auf weiteres zu beenden, wobei die Partei angibt, dass alle vier Verhandlungspartner einen Teil der Schuld tragen würden. Die Union und die Grünen bedauern ihrerseits den Abbruch der Sondierungsgespräche sehr, vor allem da beide angeben, dass sie sich auf dem richtigen Weg gefühlt haben und eine Einigung für möglich erachtetet haben.

Nun stellt sich allerdings die Frage wie es denn nun mit der deutschen Regierung weitergehen soll. Dies fragen sich nicht nur die deutschen Bürgerinnen und Bürger oder Politikerinnen und Politiker, sondern ganz Europa, das genau weiß, wie groß der Einfluss auf die Projekte Europas sein kann.

Da die FDP, auch nach dem Gespräch mit Frank-Walter Steinmeier, deutscher Bundespräsident, am Dienstagnachmittag, keine Chance zur Wiederaufnahme der Gespräche sieht, bleiben Deutschland drei Möglichkeiten einer Regierungsbildung, theoretisch gesehen, zumindest.

Große Koalition – Minderheitsregierung – Neuwahlen. Nur zu entscheiden ist nun, welcher dieser drei Wege der Richtige für Deutschland ist, wobei man allerdings auch nicht außer Acht lassen sollte, dass nicht jeder Weg gleich wahrscheinlich zu Stande kommt.

Als eine der Möglichkeiten würde sich die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD anbieten, welche bereits die letzten zwei Legislaturperioden die Regierung gebildet hat. Wie wahrscheinlich ein Zustandekommen von Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD ist, lässt sich jedoch nicht so einfach beurteilen. Eine GroKo wurde von Seiten der SPD bereits direkt nach der Verkündigung der Wahlergebnisse am 24. September ausgeschlossen. Die SPD sei nicht länger bereit die Identität ihrer Partei in einer Koalition mit der Union zu verlieren und sieht ihren Platz für die nächste Legislaturperiode in der Opposition, um die eigene Mitte wieder zu finden. Auch nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche der Jamaika–Koalition möchte die SPD nicht in die Rolle des Koalitionspartners einspringen. Martin Schulz, Parteivorsitzender der SPD, äußerte dazu, dass Merkel ihre Partner aussauge und am Ende als Gewinnerin hervorgehe. In Stein gemeißelt ist die Entscheidung der Partei allerdings noch nicht. So sind interne Parteigespräche für die letzte Novemberwoche angekündigt, bei denen ein mögliches Aufnehmen von Sondierungsgesprächen noch einmal besprochen werden soll. Über die Wahrscheinlichkeit des Eintritts einer Großen Koalition ist also noch nicht entschieden.

Eine Minderheitsregierung, welche die zweite Möglichkeit einer Regierungsbildung darstellt, könnte sich aus der Union und der FDP oder aus der Union und den Grünen zusammensetzen. Im ersten Fall würden der Koalition dann 29 Sitze und im zweiten Fall 42 Sitze zum Erhalt der Mehrheit im Bundestag fehlen, was bedeutet, dass die Regierung für jeden Beschluss im Bundestag auf Stimmen aus der Opposition angewiesen wäre. Wirklich begrüßt wird eine Minderheitsregierung allerdings von wenigen Politikern. So stellt Merkel zum Beispiel klar, dass sie sich eine stabile Regierung für Deutschland wünsche, was mit einer Minderheit als Regierung nicht unbedingt gegeben wäre. Aus diesem Grund erscheint es auch relativ unwahrscheinlich, dass sich die Union für die Bildung einer Minderheitsregierung mit einer anderen Partei entschließt.

Die dritte und letzte Möglichkeit besteht in den Neuwahlen, zu denen ein schwieriger und langer Weg führen würde. Von Seiten der Politiker gilt es auch die Realisierung dieser Option zu vermeiden und auch das deutsche Grundgesetz ist darauf ausgelegt Neuwahlen zu vermeiden. Frank-Walter Steinmeier, deutscher Bundespräsident, beruft sich dabei auf die Geschehnisse des Jahres 1930 in Weimar. Damals wurden frühe Neuwahlen herbeigeführt, die der NSDAP, die Partei von Adolf Hitler, zu einem enormen Gewinn an Sitzen im Parlament verhalf. Und dennoch sind die Neuwahlen ein Szenario dessen Eintrittswahrscheinlichkeit man nicht unterschätzen sollte, auch wenn, wie bereits erwähnt, noch viele Schritte zwischen unserem jetzigen Standpunkt und einer Durchführung von Neuwahlen stehen. Doch wie genau läuft das eigentlich ab?

Wenn die Gewinnerpartei der Bundestagswahlen innerhalb der 100 Tage unfähig war eine Regierung zu bilden, wird zu allererst die Kanzlerwahl, die auf dem Artikel 63 des Grundgesetzes beruht, eingeleitet. Dabei ist es am Bundespräsidenten, in unserem Fall Frank-Walter Steinmeier, einen Kandidaten für das Kanzleramt vorzuschlagen. Dieser Kandidat muss dann mit über der Hälfte der Stimmen aus dem Bundestag gewählt werden, um Bundeskanzler zu werden. Wenn dies nicht gelingt, tritt die zweite Phase ein, in der der Bundestag zwei Wochen Zeit, hat um einen Kandidaten mit der absoluten Mehrheit zu erwählen. Dabei sind Anzahl der Wahlgänge und Kandidaten unbegrenzt, so kann der Bundestag aber auch zwei Wochen gar nichts tun und keine einzige Wahl durchführen. Falls es dem Bundestag nicht gelingt einen Kandidaten mit der absoluten Mehrheit zu bestimmen, wird eine weitere Wahl abgehalten, bei der ein Kandidat auch mit der relativen Mehrheit gewinnen kann, was bedeutet, dass derjenige mit den meisten Stimmen gewinnt. Dieser muss dann im Folgeschritt vom Bundespräsidenten ernannt werden, was wiederrum eine Minderheitsregierung bedeuten würden. Natürlich kann sich der Bundespräsident auch weigern den Kandidaten zu ernennen, womit dann die Neuwahlen ins Spiel kommen würden. An diesem Punkt wird nämlich der Bundestag vom Präsidenten aufgelöst und Neuwahlen haben innerhalb der nächsten 60 Tage stattzufinden.

Unabhängig von den Meinungen unserer Politiker im Bundestag, ist natürlich auch die Meinung der deutschen Bürger gefragt. Was wünscht sich Deutschland? Die deutsche Zeitung „Die Zeit“ hat dazu eine kleine Umfrage auf ihrer Internetseite durchgeführt, an der knapp 150 000 Leser teilgenommen haben. Dies ist natürlich nur ein kleiner Teil der deutschen Wählerschaft und dennoch spiegelt er die allgemeine Meinung recht gut wieder. In dieser Umfrage sprachen sich 36,7% für die Durchführung von Neuwahlen, 43,9% für das Einsetzen einer Minderheitsregierung und 19,4% für eine Regierungsbildung mit der Großen Koalition aus. In Umfragen weiterer deutscher Zeitungen wurden ähnliche Ergebnisse erzielt, wobei eine deutliche Zunahme an Stimmen für eine Minderheitsregierung oder eine Große Koalition seit Beginn der Woche zu verzeichnen ist. Immer mehr Bürger scheinen sich skeptisch mit dem Ansetzen von Neuwahlen auseinander zu setzen.

 

Die bevorstehenden Entscheidungen, die in Deutschland in Kürze getroffen werden, sind wichtig für die Zukunft der deutschen Politik, aber auch von Bedeutung für die Europäische Union und Deutschlands internationale Beziehungen. So hat vor allem auch der frisch gewählte französische Präsident Emanuel Macron unter den Verzögerungen der Regierungsbildung zu leiden, da er besonders auf die deutsche Zusammenarbeit, eine stabile Partnerin wie Angela Merkel, bei internationalen aber auch innenpolitischen Punkten seines Wahlprogramms und seiner geplanten Vorhaben, gezählt hatte. So drücken sich zum Beispiel Le Monde und der Figaro besorgt über die politische Situation auf der anderen Rheinseite aus. Eine Zeit des unstabilen politischen Umbruchs, ein Wechsel von den alteingesessen Partneien zu neuen, rechtspopulistischen, so wie es in Frankreich nach Sarkouzi und Hollande geschah, wird hierbei befürchtet, jedoch keineswegs gewünscht.

So wird Deutschland auch in der EU benötigt. Über die, für Dezember angesetzten EU-Reformen wie auch über den Umbau der Eurozone wird Deutschland kaum befinden können, was aber durchaus von Nöten wäre, wenn man fällige "Reparaturen" nicht bis zum äußersten ausreizen will. Demnach ist der Fortlauf einer aktiven EU-Politik seitens Deutschlands ein weiteres wichtiges Kriterium, dass bei Entscheidungen über weitere Schritte der Regierungsbildung mit einbezogen werden muss. Besonders, da dies nicht nur eine Rolle für Deutschland, sondern für Frankreich und ganz Europa spielt.

Ob sich die momentane Situation der deutschen Regierung wirklich zu einer Katastrophe beziehungsweise einem ernsthaften andauernden Problem entwickeln wird, kann sich nur in den nächsten Wochen herausstellen. Hierbei spielt die Entscheidung der SDP über ein Aufnehmen von Sondierungsgesprächen mit der Union eine interessante und entscheidende Rolle und wird in den nächsten Tagen erwartet.

 

Klara Rüsing

Die Neue Pinakothek, was ist das denn ?

Am Donnerstag, dem 2. November findet veranstalten wir in Kooperation mit dem Musée Granet eine Konferenz mit Joachim Kaak über die Neue Pinakothek in München in Form eines Vortrags zu Manet und den Vereinigten Staaten. Doch was ist eigentlich die Neue Pinakothek genau?

Die Neue Pinakothek, welche das erste Museum für zeitgenössische Kunst in Europa war, wurde von Ludwig I. gegründet, da dieser seine private Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen und gleichzeitig eine zusätzliche Ausstellungsfläche für die Münchener Schule schaffen wollte. Auf diese Weise sollte sie den Gegenpol zur ebenfalls von Ludwig I gegründeten Alten Pinakothek bilden, da in dieser hauptsächliche die Alten Meister zu finden waren. Nach ihrer Eröffnung am 25. Oktober 1853 lag der Schwerpunkt der Ausstellung für lange Zeit auf den Malern süddeutscher Schulen und Akademien und somit in den vertrauten Bahnen des Freistaats Bayern. Dies änderte sich zum ersten Mal im Jahre 1909, als Hugo von Tschudi als Generaldirektor der Münchner Staatsgemäldesammlung, zu der auch der Bestand der Neuen Pinakothek zählt, eingesetzt wurde und ein verstärktes Augenmerk auf die modernen französischen Künstler lenkte.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude der Neuen Pinakothek bei anglo-amerikanischen Bombardierungen stark beschädigt und im Jahre 1949 letztendlich abgerissen. Relativ parallel zur Neueröffnung der Neuen Pinakothek am 28. März 1981, wurde die Pinakothek der Moderne in München eröffnet. Da diese ab sofort für die zeitgenössische Kunst zuständig war, beging die Neue Pinakothek eine Neuausrichtung zur Malerei und Skulpturen aus dem facettenreichen 19. Jahrhundert. Inzwischen bildet sie somit das Bindeglied zwischen der Alten Pinakothek und der Pinakothek der Moderne und steht unter dem Motto << Von Goya bis van Gogh >>. Ihr Bestand, welcher über 6000 Werke umfasst, ist seit 1915 Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und bietet einen Überblick von Aufklärung bis zum Anbruch der Moderne. Im Rahmen des späten 18. und dem frühen 20. Jahrhunderts findet man in den Ausstellungsräumen Werke vieler berühmter Künstler wie Manet, Cézanne oder van Gogh, aber insgesamt Malerei und Skulpturen des Klassizismus, der Romantik, des Jugendstils und des Impressionismus.

Die Neue Pinakothek steht seit 2003 unter der Leitung von Dr. Joachim Kaak, welcher ebenfalls Referent für Malerei und Plastik von 1850 bis 1900 ist.

Klara Rüsing

 

 

Analyse der Bundestagswahlergebnisse 2017

Die Bundestagswahl 2017 brachte manche positive, aber auch einige negative Überraschungen mit sich, die in der nächsten Legislaturperiode gewiss die eine oder andere Veränderung bewirken werden.

Während die CDU mit ihrem schlechtesten Wahlergebnis seit 1949 von 32,9 Prozentpunkten als stärkste Kraft aus der Wahl herausging, erreichte die SPD ihren historischen Tiefpunkt mit nur 20,5 Prozentpunkten. Die Linke und die Grünen verzeichnen beide ein kleines Plus von 0,6 bzw. 0,5 Prozentpunkten, werden jedoch beide von der FDP überholt, welche durch einen großen Zuwachs von 6 Prozent nun auch wieder ein Mandat im Bundestag erwerben konnte. Einen großen Schock stellt für eine große Mehrheit das Ergebnis der AfD (Alternative für Deutschland) dar, denn mit dem Erhalten von 12,6 Prozentpunkten zieht diese nicht nur in den Bundestag ein, sondern ist nun ab sofort auch drittstärkste Kraft in Deutschland.

Die Wahlbeteiligung stieg von 71,5 Prozent im Jahr 2013 auf 75,9 Prozent, wobei 61,8 Millionen Deutsche wahlberechtigt waren. Dieser Zuwachs an aktiven Wählern geschah vor allem zu Gunsten der AfD und der Linken, welche gemeinsam fast 2 Millionen Nichtwähler mobilisierten. So hat die AfD aber auch insgesamt den größten Anteil ihrer Wählerschaft, nämlich 35%, aus den Nichtwählern der letzten Bundestagswahl bezogen. 24% ihrer Wähler hatten diese bereits 2013 gewählt, während 21% von der CDU/CSU übergewandert sind. Insgesamt bestätigt die diesjährige Bundestagswahl die Entwicklung eines wechselhaften Wahlverhaltens, das nun schon seit längerem beobachtet wird. So binden sich Wähler nur noch selten an eine bestimmte Partei, sondern entscheiden sich meist erst kurz vor der Wahl. Des Weiteren lässt sich Deutschland bezüglich der Wahlergebnisse immer noch in West- und Ost-Deutschland unterteilen. Demnach dominieren in den westlichen Bundesländern eher Union und SPD, wohingegen in den östlichen Bundesländern die Union deutlich unterhalb der 30% liegt, die SPD nur viertstärkste Kraft ist und die AfD mit über 20 % zweitstärkste Partei ist. In Sachsen erhält die Union sogar weniger Stimmen als die AfD.

Nun steht natürlich die wichtige Frage im Raum, wie die AfD so viele neue Wähler gewinnen konnte. Eine Umfrage diesbezüglich ergab, dass 60% der AfD-Wähler diese nur aus Protest und Enttäuschung über die anderen Parteien gewählt haben, wohingegen nur 31% aus Überzeugung ihre Stimme gaben. Das Programm der Partei allerdings findet bei 76% der Wähler Zuspruch, wobei diese meist angeben, Angst vor schwerwiegenden Veränderungen auf kultureller, religiöser und krimineller Ebene zu haben, falls nicht entscheidender gegen Terror und die Zuwanderung von Flüchtlingen vorgegangen wird. Besonders große Unterstützung erhält die Partei hierbei größtenteils von Arbeitern, Arbeitslosen und denjenigen, die angeben, sich in einer wirtschaftlich schlechten Situation zu befinden. Der Status einer Protestpartei scheint also rechtens, doch auf Dauer keine angenehme Lösung zu sein. Darauf ging nicht nur Martin Schulz, sondern ein Großteil der Politiker unmittelbar nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen ein. So wird von allen Seiten betont, dass man unabhängig von den Wahlergebnissen das Ziel verfolge, gemeinsam gegen den Rechtsextremismus im Bundestag vorzugehen und die nächste Legislaturperiode zu nutzen, um den deutschen Wählern wieder das Gefühl von wirtschaftlicher und allgemeiner Sicherheit im eigenen Land zu geben, und ihre Ängste ernst zunehmen.

Doch bleibt dies vorerst nicht die einzige Sorge der Parteien im Bundestag. Da die Wahlergebnisse nur zwei verschiedene Koalitionsmöglichkeiten für eine echte Mehrheitsbildung bieten und die SPD bereits wenige Minuten nach den ersten Hochrechnungen bekannt gab nicht an einer Großen Koalition interessiert zu sein, bleibt Deutschland letztlich nur die Jamaika-Koalition. Dies ist eine Zusammenführung der Union, der Grünen und der FDP, die eine neue Dynamik versprechen könnte, aber auch riskant zu sein scheint, da einige zentrale inhaltliche Unterschiede vorhanden sind und die beiden Parteien im Wahlkampf als harte Gegner auftraten. Dies verursacht nicht nur zu schweren Verhandlungen für die Union bei ihrer Koalitionsbildung, sondern könnte auch eine gewisse Behinderung im Bundestag bedeuten. Dennoch sprechen sich 60% der FDP- und 49% der Grünen-Wähler für eine Regierungsbildung mit der Union aus.

So bleibt Deutschland gespannt, wie sich die politische Lage auf Bundestagsebene in den nächsten Wochen der Koalitionsverhandlungen entwickelt und wie stark sich der Einzug der AfD in den Bundestag auf dessen Entscheidungen auswirken wird.

 Von Klara Rüsing

 

 

Bundestagswahl 2017

Eine Angelegenheit, die nicht nur Deutschland, sondern auch uns und ganz Europa betrifft ist die bevorstehende Bundestagswahl in Deutschland am 24. September. Wie ihr vielleicht wisst, gibt es zwei Spitzenkandidaten, welche die zwei führenden Parteien in Deutschland vertreten. Da hätten wir einmal die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel, welche der Union der CDU und der CSU angehört und der Überraschungskandidat Martin Schulz, zugehörig der SPD. Wir wissen nicht, inwiefern ihr bereits gut oder weniger gut über beide Kandidaten informiert seid, also hier ein paar Infos zu Frau Merkel und Herrn Schulz:

Angela Merkel übt das Amt der Bundeskanzlerin jetzt nun schon seit 12 Jahren aus, womit sie zu einem geringen Anteil der bisherigen deutschen Bundeskanzler gehört. In diesen 12 Jahren hatte sie auf jeden Fall genug Zeit und Gelegenheiten wichtige und bereichernde Erfahrungen zu sammeln. Diese würden ihr auch in der nächsten Amtsperiode, in der alles noch komplizierter zu werden scheint, sehr nützlich sein und werden deshalb vom deutschen Volk besonders geschätzt. Darin findet sich auch einer ihrer größten Vorteile gegenüber Martin Schulz, der bisher nur eine einzige Führungs- bzw. Regierungsposition aufweisen kann, nämlich das Bürgermeisteramt in Würselen. Dazu kommt noch, dass es Deutschland momentan gut geht. Die gute wirtschaftliche Entwicklung, die sich seit Merkels Amtsantritt verzeichnen lässt, und die Krisenstimmung, welche momentan auf der internationalen Ebene der Politik herrscht, stärken Merkel die Seite. Mit ihrem hohen Ansehen auf internationaler Ebene und der Tatsache, dass Menschen in Krisenzeiten eher am Bestehenden festhalten, verschafft sie sich bei den Wählern ein großes Plus, denn wer weiß nicht gerne, was man davon hat, wenn man sich für etwas entscheidet? Doch sollte man Martin Schulz keineswegs als Gegner unterschätzen. Er präsentiert sich nicht nur als “Mann des Volkes“, sondern ist auch noch ein guter Rhetoriker, der genau weiß, wie er seine Zuhörer bewegen und begeistern kann. Durch sein Dasein als ehemaliger Alkoholiker und Arbeitsloser sammelt er nicht nur viele Sympathiepunkte, sondern vermittelt zudem den Eindruck aus Wählerperspektive als Bundeskanzler agieren zu können. Des Weiteren gilt Schulz als unverbraucht. Von ihm wird erwartet, dass er frischen Wind in die SPD und die Bundespolitik bringt.  Dabei wird er mit voller Kraft von seiner Partei unterstützt, woran es Merkel momentan eher mangelt.

So hat jeder der beiden Kandidaten seine Vorteile gegenüber dem anderen, aber auch ein paar Angelegenheiten, die ihm zur Gefahr werden könnte. Bei Merkel handelt es sich hierbei um den schon erwähnten bröckelnden Rückhalt der Partei, aber auch um ihre Flüchtlingspolitik, durch welche sie viele konservativere Wähler verloren hat, ihr mangelndes Redetalent und der Ermüdungseffekt, der nach 12 Jahren Amtszeit eintreten könnte. Schulz hingegen könnte sein Einstehen für ein bürgerfernes und elitäres Europa zum Hindernis werden, da dem viel Ablehnung begegnet. Außerdem hat die SPD kaum Machtoptionen, wenn sie nicht als stärkste Partei aus der Wahl hervorgeht, und Abgrenzungsproblem seitdem die CDU unter Merkel wieder weiter nach links gerückt ist.

Es gibt durchaus noch viel mehr Vergleichspunkte, doch sollte das erst einmal genügen um euch einen gewissen Vorgeschmack auf die Bundestagswahl 2017 zugeben.

 

Wir hoffen, ihr seid genauso gespannt auf das Ergebnis des kommenden Sonntags!

Von Klara Rüsing

 

 

 

Haben Sie diesen Monat Lust auf einen Roadmovie aus dem Jahr 2000? Dann sehen Sie sich Im Juli unter der Regie von Fatih Akin an.

Der angehende Lehrer Daniel (Moritz Bleibtreu) bekommt vonder Schmuckverkäuferin Juli (Christiane Paul) einen Ring mit einem Sonnensymbol, der ihm den Weg zu seiner großen Liebe weisen soll. Auf einer Party trifft Daniel auf die Türkin Melek (Idil Üner), die ein T-Shirt mit einer Sonne darauf trägt. In der Gewissheit, dass Melek seine Traumfrau ist, folgt Daniel ihr im Auto nach Istanbul. Auf dem Weg dahin nimmt er Juli als Anhalterin mit und ein turbulentes Abenteuer beginnt.

Im nachstehenden Link, können Sie sich den Trailer hier anschauen.

Interview mit dem Schriftsteller Uwe Timm

Im Rahmen der Veröffentlichung auf Französisch seines Romans "Vogelweide" (frz.: Le refuge aux oiseaux) hat der deutsche Bestsellerautor Uwe Timm eine Lesung in der Bibliothèque Méjanes in Aix abgehalten. Wir hatten dankenswerterweise die Möglichkeit ihm bei dieser Gelegenheit einige Fragen zu stellen. Das Interview (auf Deutsch mit französischer Übersetzung) finden Sie unter diesem Link: Interview (pdf)

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