Rückblickend auf die Konferenz ,,Emmanuel Macron und die Neubelebung Europas – deutsche und französische Vorschläge"

Herr Ménudier eröffnete die Konferenz, indem er auf ein wesentliches Paradox einging:

Zu Beginn wurde die aktuelle europäische Zusammenarbeit in Frage gestellt, wobei Emmanuel Macron einen wichtigen Akzent seiner internationalen Politik auf die Neubelebung der Beziehungen Frankreichs mit Deutschland und Europa zu setzen plant. Da Deutschland jedoch momentan in einer innerpolitischen Krise, ausgelöst durch seine Probleme mit der aktuellen Regierungsbildung nach der Bundestagswahl im September 2017 steckt, hat Macron von eben diesem wichtigen Partner Frankreichs noch keine Antwort auf seine neuen Pläne erhalten. Es sollte an diesem Punkt daran erinnert werden, dass die Idee der deutsch-französischen Freundschaft mit Hinsicht auf die gemeinsame Vergangenheit der beiden Nationen eine recht neue ihrer Art ist. So verbrachten Deutschland und Frankreich seit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs im Jahre 1870 eine Episode von Kriegen und politischen Konflikten, die 75 Jahre andauerte und seit 1945 von einem Frieden abgelöst wurde, der inzwischen 73 Jahre alt ist. Diese politische Ausgeglichenheit erscheint in politischer Hinsicht jedoch nach wie vor unbeständig. So scheint das Ausbrechen eines Krieges in Europa gar nicht so fern, wenn man die heiklen politischen Situationen in anderen europäischen Ländern betrachtet. Nicht umsonst stehen Probleme wie die Einwanderungswelle oder der Streit um den rechtmäßigen Anspruch auf die Insel Krim zwischen Russland und der Ukraine im Mittelpunkt der europäischen Sorgen. Doch wieso entschieden sich Deutschland und Frankreich nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, das Kriegsbeil zu begraben und stattdessen eine Freundschaft, die heutzutage so bekannte „Deutsch-Französische Freundschaft“, einzugehen? Grund dafür war zum einen das tiefe Engagement einiger Bürger auf beiden Seiten, die für eine Zusammenarbeit der Nachbarländer einstanden, zum anderen der Kalte Krieg zu dessen Zeit die Kommunisten immer mehr Macht gewannen. Ihr Einfluss als stärkste Partei in Frankreich und Italien bedrohte den amerikanischen Präsidenten Truman, der sich für einen gemeinsamen Kampf gegen die Kommunisten einsetzte, für den sich folglich auch Deutschland und Frankreich zusammentaten. Im Jahre 1949 ist die Bundesrepublik Deutschland aus den Besatzungszonen von drei der vier Siegermächte, den USA, Großbritannien und Frankreich, entstanden. Mit ihrer verstärkten Orientierung Richtung Westeuropa versuchte die Bundesrepublik den Einfluss der Kommunisten, die in Osteuropa an der Macht waren, einzuschränken. Der wahre Wendepunkt der deutsch-französischen Beziehungen fand jedoch am 9. Mai 1950 statt, als der französische Außenminister den Vorschlag machte, eine europäische Organisation, die mit der Aufgabe betraut sein sollte die deutsche und französische Stahl- und Eichenindustrie zusammenzulegen ins Leben zu rufen. Dies führte zum Vertrag von Paris, der die Grundlage für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl zwischen sechs europäischen Nationen bildete und am 18. April 1951 unterschrieben wurde. Diese Erklärung wird jedes Jahr am 9. Mai gefeiert.

Die damaligen Staatsoberhäupter von Deutschland und Frankreich, Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, trafen sich zum ersten Mal im September 1958 und einigten sich darauf derartige Treffen zusammen mit ihren Ministern in Zukunft regelmäßiger abzuhalten. Auf diese Weise wollten sie einen laufenden Austausch zwischen den repräsentativen Politkern beider Länder erschaffen, um sich gegenseitig über ihre Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Ökonomie und Militär auszutauschen und zu informieren.

Im Zuge der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags im Jahr 1963 entstand zudem das Deutsch-Französische Jugendwerk, welches sich wie keine andere Organisation in Europa stets sehr engagiert für die Jugendlichen beider Länder einsetzt und somit eine der Schlüsselfiguren in der Repräsentation einer europäischen Gemeinschaft darstellt. Darüber hinaus haben sich nicht nur 3000 französische Firmen in Deutschland, sondern auch 4000 deutsche Firmen in Frankreich niedergelassen und Fuß gefasst. So möchte das Deutsch-Französische Jugendwerk darauf aufmerksam machen, welche Perspektiven das Erlernen der Partnersprache in der Berufswelt schaffen kann, und unterstützen dies mit ihrem Angebot an Partnerschaften und sprachlichen Austäuschen zwischen den beiden Ländern. Ziel ist es, jedem Studenten und Schüler in Europa die Möglichkeit zu eröffnen, einen Teil seines Studiums oder seiner Schulausbildung im Ausland zu verbringen. In diesem Sinne wurden zahlreiche Institutionen ins Leben gerufen, wie zum Beispiel das Institut Français in Deutschland und das Goethe-Institut in Frankreich, oder das Deutsch-Französische Abitur, auch Abibac genannt, das in beiden Ländern an speziellen Schulen erworben werden kann. Das Konstrukt der Europäischen Gemeinschaft hat sich in der Zwischenzeit zu einem wahren Erfolg entwickelt. Aus den 6 Mitgliedsstaaten hat sich inzwischen die Europäische Union, kurz genannt « EU », mit 28 Mitgliedsstaaten, die einen gemeinsamen Markt und gleiche Wertvorstellungen teilen, entwickelt. Nebenbei finden jedoch auch noch Verhandlungen mit weiteren Staaten, die der EU beitreten möchten statt. Daher war der Brexit zwar eine Enttäuschung, jedoch nicht maßgeblich für den Erfolg der EU. Es entstehen gleichwohl mehr und mehr Bedrohungen für die die EU: Die Wirtschaftskrise von 2007 bis 2008 zog einige wirtschaftliche Folgen mit sich, die bis heute noch nicht komplett behoben werden konnten.

 - Der Entschluss Großbritanniens aus der Europäischen Union auszutreten.

- Die amerikanische Außenpolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump stellt sich als risikohaft heraus.

- In den letzten Jahren wurde ein zunehmender Anstieg an rechtsextremen Parteien in ganz Europa verzeichnet.

- Das Weimarer Dreieck aus Frankreich, Deutschland und Polen verliert an Ausgeglichenheit und Elan.

- Die Terrorgefahr ist sowohl im Inland als auch im Ausland zu spüren.

- Ein Krieg treibt in der Ukraine sein Unwesen, während sich Russland nicht an die beschlossenen Abmachungen mit Europa zuhalten pflegt.

Hinzu kommt eine Vielzahl an sozialen, ökonomischen, politischen und religiösen Konflikten im Mittelmeerraum.

In diesem Sinne hat sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Ziel gemacht, die deutsch-französische und europäische Zusammenarbeit, die in seinen Augen noch zu kleingeistig arbeitet, mit seinen Ideen voranzutreiben. So wünscht er sich eine strukturiertere Koordination in allen Bereichen, eine großzügigere Offenheit gegenüber dem Rest der Welt, eine Verstärkung des Vertrauens zwischen Deutschland und Frankreich, wie auch eine Ablehnung des Nationalsozialismus. Dafür wünscht sich Macron ein vereintes und demokratischeres Europa, das zudem mehr in die Verteidigung und militärische Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus und Grenzkontrollen investiert.

Des Weiteren möchte er die deutsch-französische Zusammenarbeit mit Hinsicht auf die Wirtschaft, einer besser organisierten Eurozone, sowie Bildung und Kultur verstärken und enger aneinanderbinden, und dabei auch die Anstrengungen sämtlicher EU-Mitgliedsstaaten diesbezüglich erhöhen und fordern. Insofern unterscheidet sich der Präsident Macron maßgeblich von seinen zwei Vorgängern Sarkozy und Hollande da für ihn Lage und Zukunft der Europäischen Union an vorderster Stelle stehen.  Somit ist die deutsch-französische Zusammenarbeit ein bedeutsamer Faktor, und an die beiden Länder gelten als Hoffnungsträger für die EU.